Fotos im Internet: Das Recht am eigenen Bild

Durch die Veröffentlichung von Fotos dürfen berechtigte Interessen der Abgebildeten nicht verletzt werden (sogenanntes Recht am eigenen Bild nach § 78 UrhG). Dabei sind auch der mit dem veröffentlichten Bild zusammenhängende Text und der Gesamtzusammenhang der Veröffentlichung zu berücksichtigen.

Nicht nur das Hochladen eines Fotos auf einer öffentlich zugänglichen Website kann das Recht am eigenen Bild verletzten. Es wird grundsätzlich bereits ausreichend sein, wenn Fotos via E-Mail oder WhatsApp an mehrere Freunde verschickt werden oder ein Foto auf Facebook für einige befreundete Nutzer sichtbar gemacht wird.

Für den Schutz nach § 78 UrhG ist es nicht zwingend erforderlich, dass etwa das Gesicht der abgebildeten Person sichtbar ist, solange, etwa aufgrund des Begleittextes (z. B. der Name wird genannt) oder sonstiger Umstände (z. B. ein spezielles Tattoo), für jemanden aus dem Bekanntenkreis Erkennbarkeit vorliegt. Auch auf die Anzahl der abgebildeten Personen kommt es nicht an.

Berechtigte Interessen einer oder eines Abgebildeten werden etwa dann verletzt, wenn von ihm oder ihr ohne Zustimmung ein Bild verbreitet wird, das entwürdigend, herabsetzend, ent- bzw. bloßstellend wirkt, wenn dadurch das Privatleben (Intimsphäre) der Öffentlichkeit preisgegeben wird oder ein Bild für Werbezwecke verwendet wird.

Grundsätzlich ist es ratsam, im Zweifel eine Zustimmung der betroffenen Person einzuholen. Liegt eine Zustimmung vor, ist die Veröffentlichung, soweit sie von der Zustimmung gedeckt ist, immer zulässig. Ein späterer Widerruf der Zustimmung ist nur in Ausnahmefällen bei Vorliegen wichtiger Gründe möglich. Als zulässig wird beispielsweise der Widerruf einer gegen Entgelt erteilten Zustimmung zur Veröffentlichung von Nacktfotos angesehen. Die Erteilung einer Zustimmung kann auch konkludent (stillschweigend) erfolgen. Lässt sich jemand zum Beispiel bei einer Veranstaltung bewusst fotografieren, indem er für das Foto posiert, so erteilt er damit durch sein Verhalten die Zustimmung, dass die Fotos im üblichen Rahmen verwendet werden dürfen, also etwa auf der Veranstaltungshomepage im Rahmen eines Berichts über die Veranstaltung zu sehen sind. Es ist jedoch, wie auch bei der ausdrücklichen Zustimmung, zu berücksichtigen, für welchen Zweck und innerhalb welchen Rahmens diese erteilt wurde. Die Verwendung des zuvor erwähnten Veranstaltungsfotos für Werbezwecke (etwa zur Bewerbung einer anderen Veranstaltung) wäre beispielsweise unzulässig.

Die Veröffentlichung von Fotos im Internet durch die Abgebildete/den Abgebildeten selbst stellt grundsätzlich keine konkludente Einwilligung zur Veröffentlichung durch Dritte dar. Stellt man Fotos von sich selbst in soziale Netzwerke, so erteilt man hiermit jedoch jedenfalls die stillschweigende Zustimmung, dass diese durch Dritte in ebendiesen geteilt werden dürfen, da dies dem Sinn und Zweck solcher Dienste entspricht (und jede Nutzerin/jeder Nutzer entsprechende Vorgänge ohnedies über ihre/seine Privatsphäreeinstellungen steuern kann).

Hinweis: Selbst, wenn berechtigte Interessen der/des Abgebildeten verletzt werden, kann die Veröffentlichung in Ausnahmefällen zulässig sein, wenn ein Veröffentlichungsinteresse besteht, das stärker wiegt als die Interessen der/des Abgebildeten (etwa bei einem überwiegenden Informationsinteresse der Öffentlichkeit).

Hinweis: Die Veröffentlichung von Personenfotos und sonstiger Informationen zu einer Person im Internet kann unter Umständen auch das Recht auf Datenschutz verletzen.

Ob auch Minderjährige der Veröffentlichung von Fotos, auf denen sie zu sehen sind, zustimmen können, ist gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt. Man geht jedoch davon aus, dass von Personen unter 14 Jahren in der Regel keine wirksame Zustimmung eingeholt werden kann. Das Kind muss nämlich bezogen auf die konkrete Veröffentlichung über eine ausreichende Einsichts- und Urteilsfähigkeit verfügen, wobei im Falle ihres Fehlens die Zustimmung des Kindes nicht durch eine Zustimmung der Eltern ersetzt werden kann. Eine ausreichende Einsichts- und Urteilsfähigkeit wird man ab einem Alter von 14 Jahren vermuten können. Die Veröffentlichung eines Fotos darf, sollte eine Zustimmung des Kindes nicht möglich sein, also nur dann erfolgen, wenn dadurch berechtigte Interessen nicht verletzt werden.

Weitere Informationen: 

Fotos im Internet (Teil 1) - Antworten auf häufig gestellte Fragen I PDF (493 KB)

Fotos im Internet (Teil 2) - Infos und Tipps zu Abmahnungen I PDF (198 KB)

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