23. Oktober 2009

Internet-Käufe scheitern an Landesgrenzen

Einer aktuellen Untersuchung der Europäischen Kommission zufolge scheitern 61 Prozent aller Versuche, in einem Online-Shop eines anderen EU-Staats einzukaufen.

Verbraucher scheitern beim Online-Shopping innerhalb der EU meist an den Landesgrenzen, so die Studie. Nur 39 Prozent aller grenzüberschreitenden Kaufversuche seien erfolgreich. Das sorge "für viel Frust bei den europäischen Bürgern, die Besseres verdient haben", sagte EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva am Donnerstag in Brüssel. In den meisten Fällen hätten Online-Händler entweder gar nicht in das gewünschte Land geliefert oder keine angemessene Form der grenzüberschreitenden Bezahlung angeboten.

Immer mehr Online-Käufer

"Europa kann es sich nicht erlauben, den Zug des Internet-Handels zu verpassen", so Kuneva bei der Vorstellung der Testergebnisse. Zwischen 2006 und 2008 sei der Anteil der Online-Käufer von 27 auf 33 Prozent der EU-Bevölkerung gestiegen. Der grenzübergreifende Handel habe in dieser Zeit aber stagniert. Dabei könnten Verbraucher bei Käufen im Ausland Geld sparen und von einer größeren Auswahl profitieren.

Mehr als 60 Prozent der Versuche scheitern

Laut der Studie haben Internet-Käufer aus Deutschland durchschnittlich viele Probleme beim Handel über EU-Grenzen hinweg. Demnach scheiterten über 60 Prozent aller Versuche, in einem Online-Shop eines anderen EU-Staates einzukaufen. Am schwersten haben es demnach die Bürger der beiden jüngsten EU-Mitgliedsstaaten, Rumänien und Bulgarien. Drei Viertel aller Kaufversuche aus diesen Ländern blieben erfolglos.

Fehlende grenzüberschreitende Zahlung

Für die Studie wurden den Angaben zufolge 100 gängige Produkte wie Fotoapparate, Bücher und Kleidung ausgewählt und rund 11.000 Testbestellungen ausgeführt. "In 60 Prozent der Fälle klappte es nicht, da der Händler das Produkt nicht in das Land des Verbrauchers liefert oder keine geeigneten Möglichkeiten für eine grenzüberschreitende Zahlung anbietet", so die Kommission.

Einsparungen möglich

Kuneva kritisierte, dass im Online-Handel viele Chancen für Verbraucher ungenutzt blieben. In mehr als der Hälfte der Mitgliedsstaaten hätten Kunden 50 Prozent der getesteten Produkte im Ausland um ein Zehntel billiger kaufen können. Viele Produkte waren demnach gerade in kleineren Staaten nicht oder nur deutlich teurer zu haben.

So konnten Verbraucher aus Portugal laut der Studie in mehr als vier von fünf Fällen ein Produkt günstiger im Ausland finden als auf dem heimischen Online-Markt. Die höheren Kosten für den Versand waren dabei bereits enthalten.

EU-Kommissarin für einfachere Regeln


Die Verbraucherschutzkommissarin forderte, die Regeln des Online-Handels in den einzelnen Mitgliedsstaaten einfacher und einheitlicher zu gestalten. Viele Händler hielten es noch für zu aufwendig oder unsicher, Kunden aus anderen EU-Ländern anzunehmen. "Am Ende dreht sich alles um Vertrauen", sagte Kuneva. Sprachbarrieren sind demnach nicht das Hauptproblem: Drei Fünftel der Händler seien in der Lage, Geschäfte in mehr als einer Sprache abzuwickeln.

Download der Studie auf der Website der EU-Kommission.

Quelle: APA

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