03. Juni 2010

2009 Rekordjahr bei Online-Betrügern - mehr als 10.000 Beschwerden

Im Jahr 2009 bearbeitete der Internet Ombudsmann erstmals mehr als 10.000 Beschwerden von Online-Konsumenten. Das geht aus dem soeben präsentierten Jahresbericht der größten Onlineberatungs- und Streitschlichtungsstelle Österreichs hervor. Gegenüber 2008 bedeutet dies einen Anstieg von 36 Prozent. Und dieser Trend hält weiter an, wie die Zahlen des ersten Quartals 2010 zeigen. Rund drei Viertel aller Beschwerden gehen weiterhin im Zusammenhang mit vermeintlichen "Gratis"-Angeboten im Internet ein. Knapp 90 Prozent aller Beschwerden können zu Gunsten des Konsumenten gelöst werden.

Wien, 2. Juni 2010 – Einkaufen im Internet wird immer unkomplizierter und selbstverständlicher. Bereits mehr als die Hälfte aller Österreicher ab 14 Jahren hat schon im Internet eingekauft1. Die zunehmende Beliebtheit des Online-Shoppings nützen aber auch immer häufiger schwarze Schafe unter den Anbietern, die auf Kosten unvorsichtiger Konsumenten verdienen wollen. Vielen Internet- bzw. E-Commerce-Einsteigern fehlt auch das Wissen um mögliche Fallen beim Online-Einkaufen. Zugleich mit dem Siegeszug des Online-Shoppings wächst daher auch die Anzahl der Beschwerden. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht des Internet Ombudsmann für 2009 auf.

2009 wurden 10.009 Beschwerden bearbeitet

Insgesamt 10.009 Beschwerdefälle wurden 2009 beim Internet Ombudsmann (www.ombudsmann.at) mit der Bitte um Unterstützung und außergerichtliche Streitschlichtung gemeldet. In 88 Prozent aller Fälle gelingt dies den Experten des Internet Ombudsmann auch. Insgesamt löste das Ombudsmann-Team im Jahr 2009 so Streitfälle im Wert von 853.000 Euro. Mit 107 Euro war die durchschnittliche Schadenshöhe pro Beschwerde im Jahr 2009 etwas niedriger als im Jahr davor (2008: 151 Euro pro Fall).

Die meisten Beschwerden betrafen Probleme rund um Verträge und Vertragsrücktritte (81,9 Prozent). In diese Kategorie fallen auch vermeintliche "Gratis"-Angebote, die rund 75 Prozent der Gesamtbeschwerden ausmachten. Lieferprobleme (verspätete Lieferung, Lieferverweigerung) sind der zweithäufigste Beschwerdegrund mit 7,3 Prozent, gefolgt von falschen Preisangaben bzw. überraschenden Zusatzkosten mit 2,6 Prozent.

"Die neuen Zahlen belegen wiederum eindrucksvoll, wie wichtig es ist, dass es mit dem Internet Ombudsmann eine auf E-Commerce spezialisierte Beratungs- und Streitschlichtungsstelle gibt, die Konsumenten bei Problemen kostenlos und unkompliziert weiter hilft", so Bernhard Jungwirth, Projektleiter Internet Ombudsmann.

Unerfreulicher Trend setzt sich im ersten Quartal 2010 fort: mehr als 1.000 Beschwerden in einem Monat

Auch im ersten Quartal 2010 stieg die Anzahl der beim Internet Ombudsmann gemeldeten Probleme weiter stark an. Deutlich mehr als 1.000 Beschwerden muss der Internet Ombudsmann mittlerweile jeden Monat bewältigen. Im gesamten ersten Quartal waren es mit 3.649 Beschwerden um 32 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (1. Quartal 2009: 2.757 Beschwerden).

Auch bei den 2010 bisher gemeldeten Beschwerdefällen führen vermeintliche "Gratis"-Angebote im Internet vor Problemen mit dem Vertragsrücktritt. "Leider tappen trotz der Informationsarbeit des Internet Ombudsmann viele ahnungslose Konsumenten in diese Falle. Nach wie vor tauchen immer wieder neue Unternehmen auf, die mit dieser Masche ihr Unwesen treiben", bestätigt Jungwirth.

Die Tricks der Online-Betrüger mit vermeintlichen "Gratis"-Angeboten

Der Trick der Betrüger ist meist ähnlich: Eine attraktiv gestaltete Website bietet angeblich Gratis-Download von Software, Adressen für Fabrikverkauf, Routenplaner, Hausaufgaben etc. an. Die Kostenhinweise werden von den Anbietern mehr oder weniger versteckt. Der Konsument registriert sich bereitwillig, um das vermeintliche „Gratis“-Angebot nutzen zu können. Einige Wochen später folgt dann die böse Überraschung: Eine Rechnung flattert ins Haus und für den Fall, dass man eine Zahlung ablehnt wird sofort mit Inkassobüro und Rechtsanwalt gedroht. Viele lassen sich von den Drohungen einschüchtern und bezahlen – unnötigerweise! Sogar Personen, die die Website niemals besucht haben, können von den Zahlungsaufforderungen betroffen sein.

Im vergangenen Jahr betraf die häufigste Betrugs-Masche kostenpflichtige Download-Angebote von eigentlich kostenloser Software (z.B. OpenOffice, Adobe Reader, Firefox). Auf der Hitliste der Beschwerdeverursacher belegen solche Internetangebote die ersten drei Plätze.

"Gerade bei 'Gratis'-Angeboten, die eine Registrierung mit Name und Adresse erfordern, sollte man misstrauisch sein. Denn auch im Internet hat niemand etwas zu verschenken. Wer unsicher ist, ob er es mit einem seriösen Anbieter zu tun hat, kann sich jederzeit beim Ombudsmann-Team erkundigen", so Jungwirth.

Als Orientierungshilfe und um weiteren Schaden zu verhindern führt der Internet Ombudsmann eine eigene Watchlist verdächtiger Domains bzw. Betreiber, die regelmäßig ausgebaut und aktualisiert wird. Auf www.ombudsmann.at finden Hilfesuchende neben der Watchlist der "schwarzen Schafe" unter den Online-Anbietern auch Musterbriefe für den Rücktritt von solchen Angeboten und Tipps zu anderen häufigen Problemen.

Internet Ombudsmann – Konsumentenschutz seit mehr als 10 Jahren

In den mehr als 10 Jahren ihres Bestehens hat die außergerichtliche Streitschlichtungsstelle Internet Ombudsmann nicht nur tausenden Konsumentinnen und Konsumenten geholfen, sondern auch die öffentliche Hand und die Gerichte massiv entlastet.

Bundesminister Hundstorfer zur Bedeutung des Internet Ombudsmann für den Konsumentenschutz in Österreich: "Der Internet Ombudsmann hat heute einen festen Platz im österreichischen Konsumentenschutz. Das konkrete Angebot des Vereins zur Unterstützung eines konsumentenfreundlichen E-Commerce kann für andere Einrichtungen in Europa Vorbild sein. Das Datenmaterial des Internet Ombudsmann leistet dem Konsumentenschutzministerium immer wieder einen gewichtigen Beitrag bei rechtlichen Forderungen im Bereich Fernabsatzrecht, wie z.B. bei den Verhandlungen zur Verbraucherrechte-Richtlinie."

Download: Jahresbericht 2009

Über den Internet Ombudsmann

Der Internet Ombudsmann ist eine von der EU-Kommission anerkannte außergerichtliche Streitschlichtungsstelle und wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz sowie von der Bundesarbeitskammer gefördert. Die außergerichtliche Streitschlichtung durch den Internet Ombudsmann ist für alle beteiligten Parteien kostenlos. Meldung von Beschwerde-Fällen oder allgemeine Anfragen zu E-Commerce-Themen an den Internet Ombudsmann unter http://www.ombudsmann.at .

Watchlist Internet - Online-Betrug, - Fallen & -Fakes im Blick